Dritte Gastlandflagge

Hey ho Ihr Landratten und Leichtwassersüßmatrosen

Ich weiß, hab lange nix von mir hören lassen. Ehrlich gesagt, ich hatte kein Bock zu schreiben, war faul. Darf ich doch auch mal sein, oder?

Und ja, ich weiß auch, das die zweite Gastlandflagge fehlt. Das wäre Belgien gewesen, wo ich mich mal ganz diskret vorbei geschlichen habe. Wie das eben so ist, man kennt Belgien nur bei Nacht. Liegt vielleicht an den beleuchteten Autobahnen. Meine Autobahn war allerdings nicht beleuchtet sondern dunkel wie im Bärenarsch.

Aber der Reihe nach…

Scheveningen nach Boulogne sur Mer

Schevenigen fand ich echt niet leuk (auf deutsch, ziemlich scheiße). Totale Ballermann Atmosphäre, was es wohl für die Den Haager auch ist. Ich lag direkt an der Restaurant Meile, sehen und gesehen werden. Voll mein Ding.

Nächsten Vormittag bei Hochwasser gleich weiter und zwei Stunden später die Zufahrt nach Rotterdam gequert. Dachte da wäre viel Verkehr, war aber nix los. Aber dann… Am Abend, kurz vor Sonnenuntergang dann die Zufahet nach Antwerpen. Scheinbar betrunkene Lotsen die im Kreis fahren weil es Spaß macht und ein Dampfer nach dem anderen. Bis dahin konnte ich noch segeln aber genau in dem Augenblick war der Wind weg. Also Maschine an, und die ging dann auch für den Rest der Strecke nicht mehr aus. Am kochen war ich auch gerade, was dann ne halbe Stunde warten musste.

Nachts dann die Zufahrt nach Zeebrügge und Oostende. Ich dachte ich hätte das schlimmste überstanden doch da fühlte ich mich wirklich wie auf Krücken eine Autobahn zu überqueren. Am Straßenrand auf den richtigen Moment warten und dann mit Vollgas rüber. Und danach die ganzen Untiefen… Morgens um fünf stand ich vor Dunkerque, um sieben war daran vorbei (nur Industrie), mittags an Calais vorbei und um 1400 fest in Boulogne. Von 26 Stunden konnte ich 5 Stunden segeln.

Hafeneindahrt Boulogne. Ich glaube hier kann es auch sehr ungemütlich werden

Bin dann erstmal zwei Tage da geblieben. Boulogne ist ganz nett, aber hat mich jetzt nicht so vom Hocker gerissen. Außer die Hafengebühren und der Tidenhub. Beides ist enorm und ich habe mir sagen lassen dass beides linear zueinander ansteigen wird. Aber 5 Meter Hafengebühren und 27€ Tidenhub ist schon ne Ansage…🤔🙄

Boulogne sur Mer – le Treport

Eigentlich wollte ich nach Dieppe aber der Wind stand besser um den Weg ein bisschen abzukürzen. Endlich konnte ich mal richtig segeln. Madame Aries hat allerbest gesteuert und ich hab mir die Zeit mit….nix vertrieben. Hab mich einfach nur gefreut wie schön Irmi läuft.

Bis Dieppe hätte ich nicht durchsegeln können und so wurde es dann ein Hafen vorher. Und, was soll ich sagen, sehr interessant. Bei Niedrigwasser fällt er trocken, trotzdem fahren auch große Schiffe rein…oder raus. Als ich gerade vor der Hafeneinfahrt war, kommt plötzlich ein großer Frachter aus dem sehr engen Kanal. In dem Moment sah ich auch die rote Ampel, die den Hafen für einlaufende Schiffe sperrt. Gelesen habe ich wohl vorher davon. Aber nicht in die Realität übertragen. Maschine starten, ausweichen und Genua einrollen mussten dann gleichzeitig gehen.

Auch von der Schleuse die danach kam hab ich gelesen. Aber habe es so verstanden, dass sie um Hochwasser herum offen steht. Aber nein, sie arbeitet dann. Auch das Warnschild in der Schleuse vor der starken Strömung hab ich gelesen. Aber beim Einfahren und beim Schleusenvorgang war nichts davon zu merken. Dann ging das andere Tor auf… Beim Ablegen verhakte sich meine Achterleine und Irmi drohte sich quer in die Schleusenkammer zu legen. In letzter Sekunde bekam ich die Leine los und konnte mit Vollgas die Ruinierung meiner mühsamen Lackierung vermeiden. Als ich dann endlich im nach Diesel stinkenden Hafen fest war, brauchte ich erstmal ein frisches T-Shirt. Und n Bier. Und ne Kippe. Oder zwei…

Der Hafen bei Niedrigwasser
Und bei Hochwasser

Le Treport ist auch sehr touristisch, strahlt aber eine gewisse Morbidität aus und hat dadurch Charme.

Le Treport – Dieppe

Nach einem Tag sightseeing hatte ich alles wesentliche gesehen. Das Wetter versprach ruhig zu sein und ich wollte weiter.

Die Schleuse passierte ich diesmal ohne Chaos und ich nahm Kurs auf das nur 15 Seemeilen entfernte Dieppe. Allerdings bauten 15 Knoten Wind aus West eine See auf, die mich eher an das IJsselmeer erinnerte als an die atlantiknahe Nordsee. Hatte ich doch Tage zuvor schon gedacht das sanfte Atmen der Atlantikdünung zu spüren. So jedoch stampfte und rollte Irmi gleichzeitig und wir wurden ganz schön durchgeschüttelt.

Dieppe hat einen großen Vorhafen, auch hier muss man auf die Ampel achten. Ich hatte grün und fuhr rein. Im Vorhafen fuhr ich dann langsam um alles zum anlegen vorzubereiten. Plötzlich plärrt mir ein Lautsprecher auf französisch entgegen. Ich verstehe kein Wort, sehe aber plötzlich alle Ampeln auf rot. Verwirrt stoppe ich erst auf, drehe dann eine Runde und der Lautsprecher plärrt weiter. Schließlich denke ich es ist vielleicht besser wieder erstmal wieder raus zu fahren. Schon kommt mir eine Fähre entgegen, die ich vorher sehr weit weg gesehen habe. Ganz schön schnell das Ding. Die Fähre braucht ewig zum anlegen, ich werde noch mal eine Weile durchgeschüttelt. Irgendwann frage ich dann über UKW Funk nach, wie lange ich denn noch warten soll. Und siehe da, plötzlich kann der Mann englisch. Hätte er sich vorher damit geoutet, wären uns einige Unklarheiten erspart geblieben.

Marina Dieppe

Die Marina ist riesig und mit 37€ für die Nacht das teuerste was ich bis her erlebte.

Hier fahren kleine Boote durch
Aber nicht jetzt

Auch Dieppe ist sehr touristisch, unzählige Restaurants und Bars. Trotzdem bleibe ich drei Tage denn für Montag ist passender Wind angesagt, den ich nutzen will um in die Bretagne zu kommen. Ich erledige Kleinigkeiten am Schiff, wasche das Deck, tanke Wasser, kaufe ein. Auch hier, wie in den anderen Häfen, besteht der Strand aus Steinen. Trotzdem findet ein reges Strandleben statt. Auch in der Stadt ist es recht voll. Liegt vielleicht am Wochenende und das Dieppe die Badewanne von Paris ist.

Dieppe – Cherbourg

Endlich endlich einmal segeln wie ich es mag. Um 12 Uhr werde ich die Leinen los, fahre aus dem Hafen, setze die genua und gehe auf Kurs, den ich für die nächsten 94 Meilen nicht mehr ändern muss. Beständige 12-15 Knoten aus NordOst lassen Irmi mit zum Teil 8 Knoten über Grund laufen. Madame Aries steuert und ich kratz mir am Hintern. Als der Wind nachlässt setze ich das Großsegel dazu und Irmi marschiert weiter. Abends habe ich Zeit zum Kochen, schaue mir den Sternenhimmel an, sehe Sternschnuppen, ganz schwach den Kometen, beobachte das Meeresleuchten. Gegen ca 1900Uhr habe ich den Nullmeridian überquert. Jetzt bin ich im Westen.

Leider war ich gerade am kochen so dass ich die ganze Nullreihe versäumt habe

Gegen vier Uhr in der Nacht ist der Wind dann verbraucht. Ich fahre den Rest mit Maschine und komme viel früher als geplant in Cherbourg an. Selbst der Strom passte bis fast zum Schluss. Die letzten Meilen habe ich ihn nur ein bisschen gegenan.

Beim Einfahren in den Hafen kommen mir zwei Delfine entgegen, drehen kurz um, schwimmen ein Stück mit und verschwinden dann wieder. Nette Begrüßung.

Die Festung der Hafeneinfahrt. Leider ohne Delfine

Der Hafen ist riesig aber mit Trans Ocean Rabatt zahle ich nur 25€ und es gibt viel zu gucken. Die Stadt ist nicht so chic und aufpoliert wie die anderen und ich sehe die ersten Palmen.

Morgen geht’s weiter, ums Cap de la Hague (war da nicht mal was mit nem Supergau? Ich glaube hier esse ich keinen Fisch. Überhaupt bin ich schon an drei riesigen AKW’s vorbei gefahren). Das muss gut getimt sein, denn da oben stehen 6 Knoten Strom.

Und jetzt gehe ich ins Bett. Ich hab da noch was nachzuholen …

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