Versuch macht kluch

Ich liege jetzt seit fast einer Woche in Roscoff und warte auf passenden Wind. Am Sonntag dachte ich wenigstens ins ca 35 Meilen entfernte Aber Wrac H fahren zu können. Wind zwar aus SW aber mit angesagten 12-15 kn nicht allzu stark. Bei mitlaufenden Tide sollte es zu schaffen sein.

Doch schon die hohe Dünung vorm Hafen überraschte mich. Aber je weiter ich raus kam, um so mehr beruhigte es sich. Ganz nach der Empfehlung vom Reeds Almanach hielt ich 2,5 Meilen Abstand von der vorgelagerten Insel Ile de Batz und konnte schön erkennen warum. Hohe steile Wellen wurden durch den gegenlaufenden Strom aufgeworfen, einige brachen sich. Doch auch weiter draußen war es zwar ruhiger, aber trotzdem schaffte ich gegen den Seegang nicht mehr als 3 Knoten. Der Strom halfen nur wenig, im Gegenteil sorgte er dafür, dass die See höher und steiler wurde. Irmi stampfte sich immer wieder fest, bis hin zum absoluten Stillstand. Als ich nach drei Stunden immer noch nicht wirklich weit gekommen war, rechnete ich aus mit der Tide mein Ziel nicht zu erreichen sondern die letzten 10 Meilen noch Gegenstrom zu haben. Desillusioniert drehte ich um.

Jetzt hatte ich zwar den Strom gegen mich aber Wind und Seegang mit mir und ich konnte endlich segeln. Wenn auch zurück. Aber Irmi schoss mit 6 Knoten durch die, zum Teil 2,5 Meter hohen Wellen. Sie war in ihrem Element. Aus Neugierde steuerte ich etwas dichter unter Land, in das Gebiet der sogenannten Races. Wirklich beeindruckend was Wasser Strömung so anstellen kann. Eine chaotische See warf Irmi hin und her, so sehr das der Autopilot überfordert war und ich die Wellen von Hand aussteuern musste. Interessante Erfahrung aber mit mehr Wind und einem kleineren Boot nicht zu empfehlen.

Roscoff ist schon ganz nett anzusehen. Ich liege in der Marina, die zum Glück nicht trocken fällt. Anders der Stadthafen. Hier bekommt die Aussage, ich gehe mal ne Runde im Hafen spazieren eine ganz andere Bedeutung.

7 Meter Tidenhub sind schon echt krass. Dagegen sind unsere 3 Meter an der Nordseeküste eine Lachnummer.

Die Reise von Cherburg hierher war wenig ereignisreich. Bis zum Cap de la Hague konnte ich segeln, immerhin 10 Meilen, danach schoss ich bei mitlaufendem Strom mit 10 Knoten am Kap und an Alderney vorbei. Wirklich jammerschade dass ich die Insel wegen Corona nicht anlaufen durfte.

Aber unvorstellbar wie es hier wäre wenn wirklich Wind ist.

Die restlichen 100 Meilen lief die Maschine und außer drei Fischer mit denen ich ein bisschen Ringelrein tanzte verlief die Nacht ruhig und ohne Verkehr. Ich konnte im Halbstundentakt ein wenig ruhen, wirklich schlafen konnte ich allerdings nicht, und kam am nächsten Morgen gegen neun in Roscoff an.

Gestern war Sturm und an auslaufen nicht zu denken. Heute soll der Wind auf NW drehen. Deutlich abgenommen hat er schon. So werde ich nachher mein Glück erneut versuchen und mich auf machen zum nächsten Hafen.

Und, wie soll es anders sein, ab morgen ist der Wind wieder zu Ende. Langsam muss ich mal Diesel tanken…

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