Hey Ho, da isser

Gestern Nachmittag bin ich nun endlich in Camaret sur Mer angekommen, in der Nähe von Brest also. Eigentlich wollte ich vorgestern schon hier her, aber dann kam mir die spontane Idee der Ile d Ouessant einen Besuch abzustatten. Wer mein Wohnzimmer in Osterby kennt, erinnert sich vielleicht noch an das Bild von dem Leuchtturm im Sturm. Das wurde dicht vor dieser Insel aufgenommen und schon lange dachte ich, da will ich einmal hin. Das Wetter passte, kein Wind, wenig Dünung und so änderte ich spontan den Kurs auf die nordöstliche Bucht. Beim einlaufen begrüßte uns ein großer Delfin, schwamm eine Weile neben uns her. Leider waren alle Mooringbojen besetzt und mein Anker fand in dem mit Seegras und Kelp bewachsenen Grund keinen Halt. Zweimal versuchte ich es und gab schließlich auf. Zudem war es dort laut und voll. Ich beschloss es auf der anderen Seite der Insel zu versuchen, sah aber auf dem AIS dass es dort noch voller ist. Zufällig entdeckte ich auf der Ostseite der Insel eine weitere Bucht die geschützt aussah. Zwanzig Minuten später viel der Anker auf sandigen Grund, ich war ganz alleine, um mich rum Felsen und die Brandung. Eine leichte Düngung kam zwar um die Ecke, war aber nicht weiter lästig. Die spontanen Ideen sind doch oft die besten.

Gestern Morgen ging ich dann um neun Anker auf und nach einer knappen Stunde mit Maschine konnte ich tatsächlich endlich mal etwas segeln. Nicht schnell aber für einen Schnitt von 4 Knoten reichte es. Leichter Wind und die Atlantikdünung sorgten für eine fast schon meditative Fahrt. Leider bezog es sich immer mehr, die Klippen am Festland waren in Nebel gehüllt und irgendwann begann es auch leicht zu regnen. So ein feiner Sprühregen, der überall durch geht. Aber ich konnte bis vor die Hafeneinfahrt segeln, der Regen war egal.

Und nun bin ich hier. Drei Wochen später als geplant. Seit Eckernförde über 150 Motorstunden, 300 Liter Diesel verbrannt. Wirklich schön gesegelt bin ich nur ausnahmsweise mal auf einzelnen kurzen Abschnitten. Ich frage mich immer wieder ob ich etwas falsch gemacht habe, vielleicht zu vorsichtig oder gar bequem war? Wie machen das andere, die großen tollen Blauwassersegler die den englischen Kanal mal eben abhaken als wäre es der NordOstseekanal? Aber doch, auch die haben oft Pech. Der Peter aus Eckernförde, der letztes Jahr zu einen Nonstop Fahrt aufbrach ist im Kanal sogar gekentert, wurde von einer brechenden See einfach umgeworfen. Und ich treffe andere Segler, denen es ähnlich geht. Die auch nicht richtig vorran kommen.

Aber ich kann auch dankbar sein, dass mich dieses Seegebiet schonend behandelt hat. Die Normandie und noch mehr die Bretagne empfinde ich als extrem schwer zu befahrendes Gebiet. Enorme Strömungen, oft viel Wind aus westlichen Richtungen, unzählige felsige Untiefen und der Verkehr verlangen umsichtige Planung, verzeihen keinen Fehler und als Anfänger sollte man hier äußerst vorsichtig navigieren. Und als ein solcher fühle ich mich hier.

Wie geht’s weiter?

Ich werde hier jetzt auf den passenden Wind für die Biskaya warten. Die Seekarte liegt ausgebreitet vor mir, schaue immer wieder drauf. 340 Seemeilen bis Spanien, das erste Mal alleine drei bis vier Tage Ozean. Ich habe gehörig Respekt davor und freue mich gleichzeitig riesig drauf. Wer weiß was mich erwarten wird. Wie werde ich mit dem Schlafen klar kommen? Was, wenn etwas kaputt geht? Ich fühle mich gut vorbereitet, aber trotzdem…

Dennoch freue ich mich auf drei Tage absolute Abgeschiedenheit, weiter Ozean, die lange Dünung des Atlantik, Delfine, vielleicht einen Wal. Und ich freue mich auf Spanien, Tortilla, Pulpo, Estrella de Galicia. Denn die Franzosen können wohl vieles…aber kein Bier.

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