Manchmal kommt es anders

Die Fahrt gestern war wenig aufregend bzw Erlebnislos. Wieder bei sich lichtendem Nebel aus der Ankerbucht los, wieder kein Wind, keine Wale, keine Delfine (nicht mal tote), keine Sonne. Der Himmel war komplett bedeckt und verbreitete ebenso Langeweile wie der Rest um mich herum. Das gab mir wenigstens die Gelegenheit dicht an der Küste entlangzufahren. Die in Dunst und Nebel gehüllten Berge Galizien gaben so eine sehr eigene Athmosphäre ab, fast mystisch.

Gegen 1730 kam ich dann in der Ria von Pontevedra an. Die Stadt direkt anlaufen geht leider nicht, da nur ein sehr schmaler flacher Fluss dorthin führt mit. Die 17m hohe Hochspannungsleitung könnte ich gerade noch schaffen, bei der 12m hohen Brücke wäre jedoch Schluss. Also ankere ich ganz an Ende der Bucht. Ein sehr schöner Platz mit Blick auf Combarro, einem kleinen Ort, von dem es heißt es wäre Santiago de Compostela in Kleinformat. Und der Himmel reißt auf, die Sonne scheint.

Ich pumpe das Dinghy auf, dusche, fahre an Land und lande voll in der Tourifalle. Menschenmassen wäre jetzt übertrieben, aber nicht wenige schieben sich durch die sehr engen Gassen der Altstadt, die durchaus sehenswert ist. Die Kellner der Restaurants quatschen jeden an, ob man nicht bei ihnen essen möchte. Ein bisschen wie auf der Reeperbahn, nur mit schöneren Häusern.

In den winzigen Steinhütten die früher als Speicher für Getreide und zum trocknen von Fisch dienten, sind nun lauter kleine Boutiquen und Schnickschnackläden. Ich frage mich ob es hier noch Menschen gibt, die hier wirklich leben, vielleicht auch aufgewachsen sind, oder ob die bewohnten Häuser alles Ferienhäuser sind. Es sieht danach aus, das auch hier Bewohner verdrängt werden um dann durch Restaurants und Ferienwohnungen viel Geld zu verdienen.

Idyllisch ist es aber trotzdem. Ich suche mir ein billiges Restaurant, eher ein Imbiss, am Rande der Altstadt. Freute mich schon den ganzen Tag auf Pulpo und Meeresfrüchte.

Heute wollte ich dann nach dem Frühstück mit dem Dinghy nach Pontevedra. Wollte…meine Wasserpumpe in der Kombüse war anderer Meinung. Vollkommen übermotiviert hörte sie nicht mehr auf zu arbeiten. Da ich das Problem schon kannte, in Enkhuizen schon einmal beheben konnte, machte ich mich schnell ans Werk. Pumpe ausgebaut, fachmännisch genickt und dabei geschwitzt, Schalter geöffnet, etwas geschmiert, wieder zusammen- und eingebaut, und…nix. Pumpt und pumpt, und immer Luft dabei. Also Pumpe wieder ausgebaut, diesmal komplett zerlegt, alles sauber gemacht, ratlos den Kopf geschüttelt, alles wieder zusammen und eingebaut, dabei ordentlich geschwitzt (ist echt warm hier) und….wieder nix. Shit! Sie schafft es einfach nicht mehr die Luft in der Leitung weg zu pumpen.

Also bin ich ins Dinghy gestiegen und mal schnell in der kleinen Ort gefahren mit der Hoffnung dort einen Schiffsausrüster zu finden. Schließlich ist dort ja auch eine größere Marina. Aber eben kein Laden, den soll es aber in Pontevedra geben. Gut, will ich ja eh hin. Wieder am Schiff, es ist mittlerweile 1400 Uhr, packen ich meinen Rucksack, mache die Luken dicht und….Wind! Aber nicht nur ein bisschen sondern satte 15-20 Knoten, die genau in die Bucht rein stehen. Und mit dem Wind kommt fetter Nebel. Innerhalb weniger Minuten ist die ganze Bucht in Nebel gehüllt während von oben noch die Sonne scheint. Nebel am Morgen, okay. Aber Nachmittags, wo eben noch Sonne und Hitze war…?

Plötzlich hatte die Insel, hinter der ich anker, eine weiße Decke übergezogen

Ich war verunsichert, wollte Irmi so nicht alleine lassen. Also erstmal abwarten und Kaffee kochen. Nach ca. einer Stunde hörte der Spuk ebenso schnell auf wie er gekommen ist. Ich überlegte was ich tun könnte, checkte den Wetterbericht. Für später am Nachmittag waren noch mal kurz 20 Knoten Wind vorhergesagt. Schließlich entschloss ich mich Anker auf zu gehen und nach Baiona zu fahren. Mittlerweile war es 1600 Uhr, aber das sollte kein Problem sein, bis acht hätte ich es locker geschafft. Kaum war ich in Fahrt, ging das Spiel von vorne los. Wind, Nebel, doch dieses Mal noch dicker. Naja, dachte ich, war vorhin ja auch nicht lange, und fuhr mitten hinein. Teilweise konnte ich keine 50 Meter sehen. Mit Kartenplotter und AIS tastete ich mich mit 2 Knoten voran. Irgendwann war mir klar, das lichtet sich heute nicht mehr. Ich drehte lieber um, fand dicht hinter der kleinen Insel einen geschützteren Ankerplatz. Jetzt ist es 2300 Uhr und es ist immer noch neblig.

Mal sehen was morgen ist…

2 Kommentare

  1. Moin Thomas,
    ist immer schön von dir zu lesen und du packst wirklich schöne Fotos dazu 😊
    Halt uns gern weiter so auf dem laufenden 😘
    Fühl dich gedrückt!

    Liken

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