Auf geht’s, Mother Africa ruft!

So, nur ganz kurz die neuesten Nachrichten. Morgen geht’s also los, 1000 Seemeilen von Las Palmas nach Banjul/Gambia. Ich bin so was von aufgeregt und mache mir fast in die Hose. Fürchte es wird wieder eine schlaflose Nacht. Aber der Wetterbericht verspricht guten Schiebewind, vielleicht wird es zwischendurch ein bisschen holprig und auch sandig denn der Wind kommt zum Teil direkt aus der Wüste. Aber in acht bis zehn Tagen sollte der Weg zu schaffen sein. Allerdings auch die längste Zeit, die ich jemals auf See war.

Doch dieses Mal werde ich nicht alleine segeln! Vor ca zwei Wochen habe ich mal zum ausprobieren einen Testballon im Fressenbuch/ Hand gegen Koje gestartet. Tatsächlich haben vier Leute Interesse bekundet, letztendlich ist aber keiner davon übrig geblieben. So war es dann doch okay für mich wieder alleine zu fahren. Kurzfristig hat sich gestern dann noch etwas neues ergeben. Sergio, ein Tramper hier im Hafen sprach mich an und wirkte auch sehr sympathisch. Er ist Lehrer, in meinem Alter, hat 5 Jahre Sabbatical und reist seit drei Jahren als Backpacker durch die Welt. Allerdings hat er keine Segelerfahrung, aber das ist nicht so schlimm. Dafür den nötigen Enthusiasmus. Ich bringe ihm ein bisschen segeln bei, dafür verbessert er mein spanisch. Und ich habe jemanden der auch mal nachts ne Wache gehen kann, was mir ein paar Stunden Schlaf ermöglicht.

Trotzdem ist es auch am Anfang eine weitere Belastung. Zum einen lebe ich seit über einem Jahr alleine an Bord, seit fast einem halben Jahr segel ich alleine. Bin es vielleicht nicht mehr gewohnt so lange Zeit auf so engen Raum Gesellschaft zu haben. Zum anderen muss ich ihm alle sehr genau erklären, immer wieder, und das auf Englisch oder Spanisch. Aber wird schon…

Heute Abend hatten wir noch eine sehr schöne Abschiedsrunde in der SailorsBay, der Bar hier an der Marina. Meine Schweizer Tramper, Joel und Claudia konnte ich noch einmal knuddeln und ihnen alles gute wünschen. Sie segeln nun doch nicht über den Atlantik sondern fliegen morgen für kurze Zeit nach Hause um dann später nach Costa Rica zu fliegen und von dort ihre Weltreise weiter zu machen. Abschied tut immer weh, die beiden habe ich schon ins Herz geschlossen.

Linke Tischhälfte: Rikki, Kira, Martin, Peter (alle Ivalu), Andreas, Marta (Oceanic). Rechte Tischhälfte: der Kaptein 😉😊, Sergio (mein neues Crewmitglied), Joel und Claudia

Vor ein paar Tagen habe ich Großeinkauf gemacht und bin nun für zwei bis drei Monate verproviantiert. Alle Stauräume sind bis zum Platzen gefüllt und Irmi liegt ein paar Zentimeter tiefer. Morgen noch Wasser und Diesel bunkern.

Wo soll das bloß alles rein passen?
Aber es passt

Meine Zeit auf den Kanaren

Einen Monat war ich nun hier. La Graciosa, Lanzarote, Gran Canaria. Sicher, man hätte mehr machen, anschauen können. Aber irgendwas war immer. Nach ein paar Tagen in Arrecife, mit Autotour durch die atemberaubende Vulkanlandschaft Lanzarotes, habe ich noch drei Tage in Süden der Insel, am Playa Papagayo geankert. Dösen, baden, schnorcheln, am Strand spazieren.

Dann 95 Seemeilen rüber nach Las Palmas. War mal wieder zäh, mit 10 Stunden so lala segeln und 12 Stunden Maschine. Aber ich hatte eine lange to do Liste für las Palmas, wollte die letzte europäische Infrastruktur nutzen sowie den letzten europäischen Zahnarzt um noch mal alles 100% okay in der Futterluke zu haben. Hat sich auch gelohnt, hat er doch noch ein kleines Loch gefunden. Irmi hat neue Schoten bekommen, einen Ölwechsel, und diversen Kleinkram. Teurer Spaß, aber was tut man nicht alles für seine Liebste.

Und das Wetter hat es auch nicht wirklich erlaubt noch viel von Insel zu Insel zu segeln. Mit dem zweiten Zahnarzttermin im Nacken wäre es eng geworden und danach zog noch ein beträchtliches Sturmtief durch. Und dann mit der tollen Gemeinschaft am Ankerplatz bleibt man doch auch gerne mal hängen.

Ungefähr 40 Boote am Ankerplatz vor der Marina

Zeit für sightseeing blieb aber natürlich auch noch. So haben wir zu siebt zweimal ausgiebig die Insel mit dem Leihwagen erkundet. Die Küste hat, außer großer Hotelanlagen nicht viel zu bieten. Die Dünen von Maspalomas sind ganz nett, aber eben auch alles sehr touristisch, wenn auch Corona bedingt total ausgestorben. Es war wirklich wie in einer Geisterstadt. Aber die Mitte der Insel hat den echten WOW Faktor. Berge, tiefe Schluchten, Wälder, Wüste, alles in jähem Wechsel. Bei den Straßen mussten wir aufpassen nicht in den Rallyemodus zu kommen und in einem Bergrestaurant haben wir so gut gegessen und sind so gastfreundlich bewirtet worden wie bisher nirgends.

Irgendwann komme ich sicher wieder und dann sind auch die anderen Inseln dran.

Dünen bei Maspalomas
Der nun wirklich südlichste Punkt Europas
Unglaublich das es die gleiche Insel ist
Am Roque Nublo, entstanden aus einer glühenden Sandwolke

Erwähnenswert wären vielleicht noch die chaotischen Zustände der Marinaorganisation. Mal bekommt man einen Platz im Hafen, mal nicht. Dann soll man an dem oder dem Tag wieder raus, später doch nicht. Selbst die Preise sind nicht einheitlich. Und jedesmal wenn man zum Marinabüro will, muss man ca 2 Stunden Wartezeit einrechnen. Keiner begreift hier, was da abgeht.

Aber nun genug, Africa is calling, und meine Koje gerade noch viel lauter. Wünscht mir Glück, ich melde mich wenn ich angekommen bin.

Eersmaa ✊🏽

3 Kommentare

  1. Hallo
    Ich wünsche euch eine gute Weiterfahrt und perfektes Wetter.
    Danke noch für das tolle Video letztens ,war genau richtig (ohne Musik, mit Stöppel in die Ohren fast wie dabei 😉).
    Seid behütet, viele Grüße Katja

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Thomas,

    Wir fliegen dieses Jahr wegen Corona nicht nach Gambia und sind ganz traurig deswegen.Du schaffst es und wir sind gespannt auf Deinen nächsten Blog.

    Carmen und Rüdiger

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    • Hallo Carmen. Das ist sehr schade, gerade weil die Leute hier dringend Touristen brauchen. Und die Situation hier ist sehr entspannt.
      Ja,ich habe es bereits geschafft, bin seit einer Woche hier. Die Tage vergehen so unglaublich schnell und das Internet ist leider so schlecht, dass ich noch keinen Blog schreiben konnte. Hoffe das es sehr bald gelingt.
      Grüße nach Eckernförde

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