Gambia – the smiling coast of Africa

Teil 1

Jetzt bin ich schon seit einem Monat in Gambia und manchmal kommt es mir immer noch unglaublich vor mein erstes großes Ziel erreicht zu haben, fühle mich wie in einem 3D Dokumentarfilm über Afrika. Täglich muss ich mich selbst kneifen und es mir immer wieder bewusst machen: Alter, du hast es tatsächlich geschafft! Obwohl…eigentlich war es kein großer Job.

Ein Teil des Proviants für die nächsten Monate

Am Freitag den 4.12. sind wir von Las Palmas aus gestartet. 950 sm vor uns, 8 Tage auf See. Wir…neben Irmi und mir ist noch Sergio dabei, ein Tramper aus Spanien, den ich kurzer Hand von Las Palmas mitgenommen habe. Keine Segelerfahrung aber voller Enthusiasmus und Neugierde aufs segeln und die See. Schnell noch einkaufen und Diesel bunkern, ging es um 17 Uhr gemeinsam mit der Ivalu los. Der Wetterbericht versprach günstigen Wind, eine schnelle aber auch ruppige Reise. Eine alte Dünung mit 4m Höhe und quer dazu die neue Windsee sollten uns ordentlich durchschütteln. Sergio wurde natürlich schnell seekrank, trotzdem ging er tapfer nachts seine Wachen und ich hatte die Gelegenheit immer etwas zu schlafen. Nach der üblichen Eingewöhnungszeit stellte sich dann schon bald die Bordroutine ein. Schlafen, essen, lesen, Musik hören, immer wieder umher fliegende Sachen auffangen und versuchen das ewige geklapper zu eliminieren sowie häufiges ein und ausreffen wegen dem böigen Wind, der manchmal auf bis zu 30 Knoten hoch ging.

Mikroelektronik auf See. Mal eben den Kartenplotter repariert
Aufziehende Regenschauer am Abend kündigen die Wetteränderung an

Am 7.12. um 1433 überquerten wir den Wendekreis des Krebses und waren damit in den Tropen. Das Wetter war jedoch wenig tropisch. 22 Grad und Schauerböen erinnerten eher an den norddeutschen Sommer. Dennoch, mit jeder Meile weiter nach Süden wurde es immer wärmer. Fliegende Fische waren nun unsere ständigen Begleiter und wir bestaunten immer wieder ihre gekonnten Flugmanöver. Ebenso besuchten uns hin und wieder Delfine, die Nachts im Meeresleuchten besonders schöne Spuren durchs Wasser zogen. Im Schiff konnten wir ihrer Kommunikation lauschen. Sogar drei Orcas sind uns begegnet, wenn sie sich auch nur für drei Sekunden zeigten.

War wohl der erste Flugversuch

Den verabredeten regelmäßigen Funkkontakt zur Ivalu verloren wir schon am dritten Tag. Shanty, die gleichzeitig mit uns gestartet sind, allerdings von Teneriffa aus, konnten wir leider gar nicht erreichen. So hat sich dann jede Crew Sorgen um die andere gemacht.

Die Tage und Nächte vergingen relativ ereignislos. Durch den ruppigen Seegang waren Deck und Cockpit so gut wie immer nass und wir gingen nur raus wenn es sein musste. Das ganze Schiff war wie gepökelt. In der letzten Nacht stellte sich dann doch noch eine kleine Katastrophe ein. Wir hatten Dakar bereits im Abstand von 25sm passiert und liefen mit sehr wenig Wind auf Banjul zu. Um die Küste nicht im dunkeln zu erreichen, war ich über den wenigen Wind sehr froh. Wir liefen mit Vollzeug raumschots ca 3 Knoten. Ich nutze die Ruhe um mich etwas hinzulegen und sagte Sergio er soll mich wecken wenn der Wind auf 12 Knoten oder mehr zunimmt. Nach zwei Stunden wachte ich auf und spürte wie Irmi regelrecht rannte. Ich stand auf und sah dass wir mit 7 Knoten dahin rauschten. Der Windmesser zeigte 10-12 Knoten an. Scheinbarer Wind! Wahrer Wind also gute 15-18 Knoten. Mein Fehler, hab ich meinem Leichtmatrosen vorher nicht erklärt. Zum bremsen nahm ich erstmal die Genua weg. Als wir immer noch zu schnell für den Zeitplan waren, wollte ich das Großsegel reffen. Und da passierte es. Es kam ein Stück runter und ging dann weder runter noch hoch. Ein Reffbändsel aus dem dritten Reff hat sich zwischen Ober- und Mittelwant verklemmt und hielt das Segel fest. Nix ging mehr. Was nun? Zu hoch um es mit einem Messer zu erreichen. Sergio mitten in der Nacht in den Mast ziehen während der Seegang zunimmt? Nicht gut. Ich beschloss zu halsen und hoffte das der Wind seinen Job machen wird. Doch aus das half nichts und das Großsegel hing dort wie ein alter Sack und drohte zu reißen. Scheiße, was jetzt? Okay, erstmal pinkeln gehen. Oft habe ich dabei die besten Ideen. Als ich wieder raus kam hat der Wind dann doch seinen Job gemacht und das Segel war frei. Fuck, echt Schwein gehabt!

Den Rest der Nacht drehten wir bei und warteten auf den richtigen Zeitpunkt um auf die Küste zuzulaufen, die wir nicht vor Sonnenaufgang erreichen wollten. Dort sind unzählige Fischer in ihren kleinen Pirogen unbeleuchtet unterwegs und sowohl das Pilotbook als auch Martin haben eindringlich vor denen gewarnt, da sie oft erst sehr wenige Meter vorher zu sehen sind.

Sonnenaufgang mit Mond vor der afrikanischen Küste

Unerträglich lange zog sich der Landfall dann noch hin, die Küste war erst wenige Meilen vorher auszumachen aber um 1810 Uhr, am 12.12. fiel dann endlich der Anker auf der Reede vor Banjul, direkt neben der Shanty, nach 8 Tagen und 984 Seemeilen. Die Freude war auf beiden Seiten groß dass wir uns gesund und munter und ohne Schäden wieder trafen und dazu wurde eine Palette Bier gekillt.

Erste Schritte auf einem fremden Planeten

Der Sonntag war zum chillen da. 8 Tage segeln hinterlassen schon ein wenig Spuren, auch wenn man es dabei nicht unbedingt merkt. Und die Palette Bier tat ihr übriges. Wir hätten eh nicht einklarieren können und ohne dürfen wir nicht an Land rumrennen. Also viel relaxen und ein bisschen aufräumen. Und an die Hitze gewöhnen.

Das erste was uns auffiel waren all die freundlichen Kleinfischer in ihren bunten Pirogen. Alle winkten und grüßten herzlich. Das zweite waren die chinesischen Fischer. Zwar fahren ihre, weit aus größeren und besser ausgerüsteten, Schiffe unter Gambia Flagge, doch sieht man nahezu ausschließlich nur Chinesen darauf und der Ton dort ist wenig freundlich. Vor allem aber fischen sie den einheimischen Kleinfischern den ganzen Fisch weg, exportieren ihn direkt nach China und die Leute hier können ihn dann zu überhöhten Preisen in Dosen zurück kaufen. Vor ein paar Tagen trafen wir einen Mann, der auf einem der Fischkutter fuhr. Er berichtete, er musste rund um die Uhr arbeiten, bekam am Ende kein Geld, statt dessen bedrohte der Kapitän ihn mit einer Machete und sperrte ihn im Eisraum ein. Als er das zur Anzeige bringen wollte, fand er niemanden der ihm half. Moderne Sklaverei. China hat in Gambia zwei Asphaltstraßen gebaut und dafür die Fischerreierechte bekommen. So wird diesen Land weiterhin ausgebeutet und abhängig gehalten. Korruption tut ihr übriges.

Das Einklarieren am Montag ging, dank Mohammeds Hilfe, einem Guide, der zuvor auch Shanty und Ivalu behilflich war, unerwartet zügig. Nach drei Stunden waren wir mit allem durch. Neuer Rekord, wie andere später feststellten. Ohne Hilfe wäre das unmöglich gewesen. Niemals hätten wir in dem unübersichtlichen Hafen die richtigen Büros gefunden, noch dazu weil auch nirgends irgendetwas beschriftet war.

Officer Babou von der Immigration wurde zum Freund. Der wohl freundlichste Beamte weltweit
Das verwirrende Hafengebiet

Beim anschließenden Gang durch die Stadt trafen wir auf durchweg freundliche, offene und herzliche Menschen. Alle lächelten, viele begrüßten uns, hielten uns zu einem kurzen Gespräch über woher/wohin auf aber alles ohne aufdringlich zu sein oder zu betteln. Die Armut des Landes zeigt sich deutlich in diesem Stadtteil aber jeder achtet darauf gut gekleidet zu sein.

Fährt noch
Fährt nicht mehr

Gleich darauf verließen wir Banjul und verholten in das 5sm entfernte Lamin Lodge, der ersten Anlaufstelle für Segler in Gambia. Endlich trafen wir auch die Crew der Ivalu, Martin hatte seine Aracanga endlich wieder, die er seit zwei Jahren hier liegen hat und seit einem Jahr nicht mehr sehen konnte.

Lamin Lodge ist wohl der sicherste Platz in ganz Afrika um sein Schiff für längere Zeit liegen zu lassen. Einige Yachtis machen das, um für eine Weile nach Hause zu fliegen. Und einige sind hier hängen geblieben.

Gee und einige andere Jungs kümmern sich zuverlässig um die Schiffe und versuchen alles zu besorgen was man braucht. Leider gibt es bis jetzt noch kein Frischwasser vor Ort, alles wird in Kanistern aus dem Ort heran gefahren.

Wasser bunkern mit Gee

Es soll bald ein Brunnen gebaut werden, wozu die Community versucht Spendengelder zu sammeln. Ebenso für Solarstrom. Die Community besteht aus eben diesen Jungs die sich um die Schiffe kümmern, als auch den Skippern der Pirogen, kleinen Kunsthandwerkern und einer Bar mit kleinem Restaurant. Alle sind vom Tourismus abhängig der in diesem Jahr nahezu komplett ausbleibt. Da immer alle von der Hand in den Mund leben, gibt es keinerlei Rücklagen um durch diese schwere Zeit zu kommen. So versuchen auch wir die Leute mit Sachspenden wie zB Säcken von Reis und Aufträgen für Handwerksarbeiten zu unterstützen. Eine größere Spendenaktion wird es demnächst geben, wenn deren Homepage läuft und ein Konto eingerichtet ist. Ich werde dann auf meinem Blog dazu aufrufen. https://laminharbour.weebly.com/

Ach so, fast hätte ich es vergessen: ich wünsche euch allen ein tolles neues Jahr. Bleibt gesund!

Teil 2 kommt demnächst

2 Kommentare

  1. Wunderbar was von Dir zu hören und die Verwirklichung deines Traumes mit zu erleben.
    Wurde erst heute morgen an Dich erinnert. Das Fahrrad steht immer noch am Geländer im Hafen !
    Liebe Grüße Eckard

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